Di 20:00
Sonic Boom
26.05.26

Sonic Boom – Mikołaj Rytowski

«the snare drum project»

«Sonic Boom» ist das neue Artist-in-Residence-Format des Gare du Nord. Acht aufstrebende Künstler aus den Bereichen zeitgenössische und experimentelle Musik, Soundperformance und Musiktheater erhalten hier Raum und Unterstützung für ihre künstlerische Weiterentwicklung.
Über einen Zeitraum von zwei Jahren gestalten und präsentieren sie jeweils zwei Cartes Blanches, in denen sie ihre individuellen künstlerischen Ansätze zum Ausdruck bringen können. Begleitet wird das Programm von einem Diskurs- und Mentoringformat.

Für diesen Sonic Boom-Abend lädt Mikołaj Rytowski die Künstler:innen Etienne Nillesen und Fabrizio di Salvo ein, die jeweils eine eigene, künstlerische Praxis rund um die Snare Drum entwickelt haben. Das Konzert präsentiert drei radikal unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe Instrument. Jede Performance stellt die Snare Drum neu dar – ihre Funktion wird verschoben, ihr Klang erweitert und in einigen Fällen buchstäblich auf den Kopf gestellt.

Mit Ansätzen, die von Klangskulpturen über akustische Tiefenforschungen bis zu immersiven Rauminstallationen reichen, eröffnen die drei Künstler die Snare Drum als Ort der Resonanz, des Experiments und der Transformation – ein Instrument, das immer wieder überrascht, provoziert und neu hörbar wird.

Etienne Nillesen
Etienne Nillesens Auseinandersetzung mit der Snare Drum definiert das Instrument grundlegend neu: Sie ist für ihn nicht länger nur ein Träger rhythmischer Funktionen, sondern eine in sich geschlossene harmonische und melodische Einheit, die in Harmonien, Texturen und wechselnden Tönen spricht. Es geht dabei nicht um erweiterte Technik, sondern um ein Umdenken dessen, was die Snare Drum überhaupt sein kann.
Seine Darbietungen entfalten sich langsam, mit Geduld und präziser Aufmerksamkeit für den akustischen Moment. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit Resonanz: Das Trommelfell wird zur dynamischen Oberfläche, die ein Feld von Obertönen und mikrotonalen Interaktionen freilegt. Nillesen arbeitet mit zwei Snare Drums, deren Obertonstrukturen eng aufeinander abgestimmt sind, und erzeugt daraus langanhaltende Töne, dichte harmonische Texturen und pulsierende Interferenzmuster. Rhythmus entsteht dabei nicht als vorgegebene Struktur, sondern als Nebenprodukt der harmonischen Prozesse.

Die Form entsteht durch die Echtzeit-Aushandlung klanglicher Möglichkeiten und dem aufmerksamen Hören von Instrument, Raum und Moment. Was minimalistisch beginnt, wächst zu einem immersiven, vibrierenden Feld klanglicher Details, in dem jede Veränderung spürbar ist. Diese Musik entzieht sich üblichen Kategorie. Sie ist weder klassisch perkussiv, noch ambient, noch streng komponiert. Die Musik kreist um Klang, Stille und die Räume dazwischen.
Etienne stammt aus den Niederlanden, lebt und arbeitet in Köln und lehrt an der ArtEZ Academy of Music in Arnheim (NLD). Er tritt international bei Festivals, in Museen, Konzertreihen und Räumen auf, die sich der zeitgenössischen und experimentellen Musik widmen. Seine Arbeit wird weltweit von der Kritik hervorgehoben.

Fabrizio di Salvo – «ptera»
«ptera» ist ein elektroakustisches Instrument, das das Prinzip der Stridulation, der Geräusch erzeugenden Reibung zwischen zwei Oberflächen, in ein steuerbares musikalisches System übersetzt. Inspiriert von den Lautäusserungen bestimmter Insekten wie Grillen, Laubheuschrecken und Zikaden, überträgt «ptera» deren biomechanische Geräuschproduktion auf elektromagnetisch angeregte Metallkomponenten.

Das Instrument besteht aus sechs präparierten Snare-Drums und ihren Metall-Snare-Wires, die jeweils durch zwei präzise regelbare Elektromagnete in Bewegung versetzt werden. Ohne akustische Verstärkung erzeugen die Snare-Wires dabei ein breites Spektrum an Reibungs- und Geräuschklängen. So löst sich die Snare Drum von ihrer traditionellen Funktion als rhythmisches Element: Statt als Impulsgeber zu wirken, wird sie zu einer instabilen Resonanzfläche, deren Klangverhalten unmittelbar von ihrer Materialität geprägt ist. Mit den beiden grossen Elektromagneten pro Snare lassen sich Beats erzeugen, die ein oszillierendes Spannungsfeld innerhalb des Klangkörpers erzeugen. Zusammen entsteht eine sich ständig wandelnde Klangtextur, die ein neues Potenzial des Instruments erschliesst und Dynamik-, Geräusch- und Reibungsklänge zu einer vielschichtigen Komposition verdichten.

«ptera» versteht sich nicht als biomimetisches Instrument, sondern als künstlerische und musikalische Abstraktion physiologischer Prozesse. Biologische Prinzipien dienen als kompositorischen Ausgangspunkt, aus dem eine eigene klangliche Logik entsteht. Die resultierenden Texturen bewegen sich zwischen organischem Verhalten und künstlicher Präzision und positionieren sich bewusst jenseits etablierter Kategorien von Naturklang und Instrumentenbau.

Fabrizio di Salvo (1981) ist Klangkünstler, in aufgewachsen und in Bern an der Hochschule der Künste Bern tätig. Seine Praxis nutzt Instrumentenbau als reflektierende Methode zur Erforschung von Materialität und schafft klangliche Infrastrukturen, die von resonanten Materialien, Form und Hören geprägt sind. Abseits von Kontrollparadigmen umfasst seine Arbeit Improvisation und relationale Klangpraktiken als ethische und soziale Begegnungen.
Seine Arbeiten wurden unter anderem bei Ars Electronica, Wien Modern, Milano Musica, Kunsthalle Bern, Kunsthaus Pasquart Biel, Kunstmuseum La Chaux-de-Fonds und Museum der Kulturen Basel präsentiert.

Mikołaj Rytowski – «the snare drum project»
«The Snare Drum Project» ist eine multisensorische Performance und Installation, die die Rolle der Perkussion neu interpretiert. Mit einem Ensemble aus zwanzig präparierten Snare Drums, die über den gesamten Aufführungsraum verteilt sind, fungiert das Stück gleichzeitig als räumliche Klanginstallation und Live-Performance-Plattform.
Das Projekt wurzelt in Rytowskis persönlicher Geschichte: Die Snare Drum war sein erstes Instrument und bildet den Ausgangspunkt seiner sich wandelnden Beziehung zu Percussion und Klang. Durch das Zusammenspiel von Musik, Licht und Raum entsteht eine immersive Umgebung, in der Percussion nicht nur hörbar, sondern auch körperlich erfahrbar wird. Jede Präsentation reagiert auf den Raum – mal als Konzert, mal als Installation.

Mikołaj Rytowski ist ein vielseitiger Künstler mit Wurzeln in Musik und Performance. Seine Praxis – zwischen Klangkunst, Improvisation, Komposition und kollaborativen Arbeitsformen – hinterfragt die Grenzen zwischen akustischen und elektronischen Instrumenten. Seit 2019 lebt er in Basel, wo er an der Hochschule für Musik Basel studiert hat und seither in der lokalen und internationalen Musikszene aktiv ist.

Mit

Etienne Nillesen, Fabrizio di Salvo, Mikołaj Rytowski (Snare Drum)

Preise

CHF 35.-/25.-/15.- (frei wählbar an der Abendkasse oder im Vorverkauf)
Freier Eintritt gilt für Personen mit Aufenthaltsbewilligung N, F oder S. / CHF 5.- Studierende der Hochschule für Musik FHNW und des Musikwissenschaftlichen Seminars der Uni Basel / CHF 10.- Mitglieder Colourkey, KulturLegi und Kinder unter 12 Jahren.

Links

etiennenillesen.com
fabriziodisalvo.com
mikolajrytowski.com

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