«Sounds Nice» 2026
Audiovisuelle Installationen

Audrey Pouliquen

«limbs of ants, in infnity.»

Der Titel stammt aus einem Gedanken Pascals, den Martin de la Soudière in «Arpenter le paysage» aufgreift. Darin untersucht er die spezifischen Landschaftsbilder verschiedener Autor:innen. Das vollständige Zitat lautet:
«A town, a country-place, is from afar a town and a country-place. But, as we draw near, there are houses, trees, tiles, leaves, grass, ants, limbs of ants, in infinity. All this is contained under the name of country-place.»
Anhand dieses Fragments analysiert de la Soudière die obsessive Annäherung Jean-Loup Trassards an einen bestimmten Ort und dessen kleinste Details. Das Pascal’sche Bild thematisiert Distanz und Wahrnehmung sowie die Frage, wie ein Ort betrachtet, erfahren und imaginiert wird.
«limbs of ants, in infinity.» versetzt das Publikum mitten in einen geträumten Ameisenbau. Aus im Atelier erzeugten Klängen entsteht eine dichte Mikro-Klanglandschaft aus Krabbeln, Summen, Zirpen, Streifen und Reiben, die die Zuhörenden in eine lebendige akustische Umgebung eintauchen lässt.

Esther Hiepler

«Fliessband»

«Fliessband» ist eine modulare, variable und raumgreifende Tuschezeichnung auf Papierbahnen von jeweils zehn Metern Länge und einem Meter Breite. Die Arbeit entsteht aus der fortlaufenden Repetition zeichnerischer Handlungen sowie der Variation der daraus entstehenden Muster.
Kräftige Querstriche strukturieren die Bahnen, während das Fliessen der Tusche feine Linien hervorbringt, die zu Kringeln und Schnörkeln umgelenkt werden. Monotonie und Verspieltheit, Improvisation, Zufall und Lenkung prägen das Wesen dieser Zeichnungen.
Die Arbeit kann installativ in unterschiedlich grossen Räumen montiert werden und wird häufig musikalisch interpretiert: Die rhythmischen Setzungen, die feinen Linien, die an Notensysteme erinnern, sowie die Schlaufen, die Assoziationen zu Notenschlüsseln wecken, lassen an eine Partitur denken. Variationen, Verdichtungen und unterschiedliche Pinselbreiten erzeugen dabei verschiedene «Klangfarben».

Luca Zeller

«Triple Bass»

«Triple Bass» ist eine Reise durch Resonanz und Schwerkraft. Ein monumentaler Altec-8254-LF-Lautsprecher aus einem ehemaligen Kino-Soundsystem verschmilzt mit dem Körper eines Kontrabasses zu einem hybriden Klangkörper zwischen Maschine und Organismus.
Tiefe Frequenzen, Drone und Vibration eröffnen einen Raum, in dem Klang nicht nur hörbar, sondern physisch erfahrbar wird. Zwischen cineastischer Wucht und persönlicher Erinnerung entfaltet sich eine dichte, beinahe kosmische Atmosphäre.

Lila Prat-Sordes / Noé Baker / Rubi Jansen

«Velvet Rot»

Die Installation verbindet eine Wachs-Skulptur in Form eines Rehkitzes mit einer ambienten Klanglandschaft. Die Arbeit untersucht die poröse Grenze zwischen Körper, Natur und Mutation durch Materialien wie Wachs, Harz, Glasperlen, Moos und Pflanzen.
Es wird eine Welt entworfen, in der Tiere Bündnisse mit Pflanzen und dem gesamten Ökosystem schliessen, da sie spüren, dass die Menschen dem Leben feindlich gegenüberstehen. Die Natur beginnt sich zu verändern: Hautoberflächen blühen mit irisierenden Toxinen auf und setzen Gase frei, die menschliche Atemwege reizen und verengen. Poren und Fell verlieren Pigmente, bis Körper an den Rändern der Sichtbarkeit verschwimmen.
Eine experimentelle elektronische Klangschleife umgibt die Skulptur und schafft eine immersive Begegnung mit dem Rehkitz.

Markus Aebersold

«Untitled (O.L. I)»

Diese Arbeit entspringt einer Faszination für physikalische Phänomene und ihre sichtbaren, greifbaren Auswirkungen. Im Zentrum steht Klang als etwas Sichtbares, als Bewegung in Materie.
«Untitled (O.L. I)» besteht aus drei Metallplatten, die knapp über dem Boden liegen. Unter jeder Platte befindet sich ein Bass Shaker – ein Wandler, der elektrische Signale direkt in Vibration übersetzt. Ist die Energie stark genug, beginnen die Platten sichtbar zu zittern.
Die Komposition wurde nicht für Lautsprecher geschrieben, sondern gemeinsam mit den Platten entwickelt. Drei Tonspuren aus Sinuswellen unterschiedlicher Frequenzen werden jeweils von einer Platte in Klang verwandelt. Das Metall nimmt das Signal auf und formt es um: Es klingt nach sich selbst, nach seiner Masse, Spannung und Eigenresonanz.

Noel Schmidlin

«MeTimeMachine»

«MeTimeMachine» ist eine interaktive Klanginstallation für eine Person. Sobald Besucher:innen ihren Kopf in die Maschine stecken und Knöpfe drücken, erleben sie die viel propagierte «me time» auf radikale Weise.
In der Dunkelheit komponieren sie eine fein gegliederte Musik nur für sich selbst – in direkter Begegnung mit den selbst erzeugten Klängen. Ganz ohne Möglichkeit, dem gesundheitsbewussten Hype zu verfallen und den Moment sofort auf Social Media zu teilen.
100% me time — 0% hype — 100% analog music

Samuel Tschudin

Bass-Automat aus dem Projekt «Schaltungsquintett»

«Bass-Automat» ist eine autonome Klangskulptur und Teil des Projekts «Schaltungsquintett». Für die Ausstellung «Sounds Nice» wird die Arbeit als Einzelinstallation präsentiert.
Ein Sensor wird von einem kleinen Spot beleuchtet. Sobald Besucher:innen den Lichtstrahl verdecken, setzt sich der Automat in Bewegung. Der entstehende Klang ist tief und perkussiv. Durch die unmittelbare Reaktion auf Verschattung übersetzt die Arbeit eine minimale Geste in einen klanglichen Eingriff in den Raum.
So entsteht eine reduzierte, partizipative Setzung zwischen Instrument, Maschine und Klanginstallation, die mit Licht, Dunkelheit und Anwesenheit arbeitet.

Sébastien Vaillancourt

«Overengineered»

Je genauer wir versuchen, das Natürliche nachzubilden, desto weiter entfernen wir uns davon.
«Overengineered» entstand aus dem Interesse an jenem Punkt, an dem Imitation in Transformation übergeht – dort, wo technische Rekonstruktion neue Bedeutung erzeugt. Die Skulptur hat die Form eines Baums, ein überkonstruiertes Objekt, das eine eigene Logik entwickelt hat.
Da «Zweck» das Rückgrat der Ingenieurskunst bildet – einer Disziplin des Problemlösens –, wurde diesem Baum ein neuer Zweck zugewiesen. Obwohl er weiterhin wie ein Baum erscheint, funktioniert er nun als Antenne und sendet ein unsichtbares, unhörbares Strahlungsfeld aus, das Besucher:innen mithilfe elektromagnetischer Pickups erkunden und in Klang übersetzen können.
Ein Baum wird zum Instrument.

Susan Fankhauser

«BEINGS»

«BEINGS» (Nr. 3, 4, 5), 2026
Mixed Media, Ölfarbe (Aluminiumpigmente)
H: 89–97 cm, T: 50–58 × 37–58 cm
Wie aus einer anderen Zeit oder einem unbestimmten Zwischenraum treten diese silberglänzenden Wesen in Erscheinung. Während ihre langen, ungelenken Beine etwas Tastendes und Suchendes besitzen, verleihen die gitterartigen Augen den Figuren eine stille, beobachtende Präsenz.
Die Arbeiten bewegen sich zwischen Kreatur, Relikt und futuristischem Objekt. Naturhafte Formen verbinden sich mit künstlichen Oberflächen zu Körpern, die zugleich vertraut und unheimlich erscheinen.
In ihrer Gruppierung entfalten die Wesen eine räumliche Dynamik. Es entsteht der Eindruck eines lautlosen Austauschs, als würden sie ein eigenes System von Wahrnehmung und Kommunikation teilen. Die Skulpturen eröffnen einen poetischen Raum zwischen Mythos, Erinnerung und spekulativer Zukunft.

Theodore Otis Flach / Belarmín Cremonini / Lia Sauser

«CORD»

«CORD» ist eine interaktive Klanginstallation, in der vier parallel klingende Soundlandschaften durch das Ziehen an acht Objekten dirigiert und gestaltet werden können. Daraus entsteht ein gemeinsamer Gesamtklang.
Die Installation lädt dazu ein, selbst Teil des Instruments zu werden: Klänge entstehen, verschieben sich und formen sich neu, während Bewegung, Form und Klang in direkte Beziehung treten.
Im Zusammenspiel mit anderen entfaltet sich ein dynamischer Prozess, in dem Kontrolle geteilt wird und unerwartete Klangräume entstehen. So skizziert die Arbeit einen offenen Raum für gemeinsames Erkunden und Gestalten. Zuhören, Reagieren und Mitgestalten werden dabei zu zentralen Elementen der Erfahrung.
Das interdisziplinäre Projekt wird von den Kunstschaffenden Theo Flach, Lia Sauser und Belarmín Cremonini aus den Bereichen Sounddesign, Musik/Bewegung und Prozessgestaltung realisiert.

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