
Ensemble Phoenix Basel © Felix Groteloh
Einen Donnerhall erlebte der französische Komponist Mark Andre 1990, als er auf eine Partitur seines späteren Kompositionslehrers Helmut Lachenmann traf. Darin entdeckte er eine Musik von existenzieller Dringlichkeit, die ihren Ausdruck jenseits standardisierter Spieltechniken sucht. Tasten, Atmen, Schlagen, Reissen, Zupfen: Solche unmittelbar körperlichen Vorgänge wurden für Andre zu einem wichtigen Schlüssel, um neue Klangräume zu erschliessen.
Zugleich ist Andres Musik eng mit seinem christlichen Glauben verbunden. Mit seinen Kompositionen möchte er «den zarten, zerbrechlichen, tröstenden Atem des Heiligen Geistes musikalisch beobachten und erlebbar machen». Eine wichtige Inspirationsquelle für diese Klangräume war für Andre die Lektüre des Textes «Der Vorhang zerreisst» der Theologin Margareta Gruber. Darin deutet sie das Zerreissen des Tempelvorhangs beim Tod Jesu im Markusevangelium im Spannungsfeld von Gottes Anwesenheit und Abwesenheit.
Mark Andre spürt nun mit jedem der «risse» den bislang verborgenen Klangwelten nach. Vertraute und fremdartige Geräusche treten hervor, verschwinden wieder und fordern in ihrer Zurückgenommenheit zum genauen Hinhören auf. Ob sich darin tatsächlich der «Atem des Heiligen Geistes» offenbart, bleibt dabei offen. (Nach Guido Fischer)
Dem Zyklus stellt Andre ein Zitat aus der Genesis voran:
«Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte.» (Gen 2,2-3)
Vor «riss 2», das in die Abschnitte «riss I–XIV» unterteilt ist, stellt er einen Ausspruch der bereits erwähnten Theologin Prof. Dr. Margaretha Gruber, einer Ordensschwester der Franziskanerinnen von Siessen (OSF): «Jesus wählt als Standort für sein Leben den Riss. Und es wird ihn zerreissen; der Ort seines Sterbens, ausgespannt zwischen Himmel und Erde am Kreuz, macht das sichtbar.»
Das Werk «iv 6» für Posaune solo entsteht im Auftrag des Posaunisten Michael Büttler, der gemeinsam mit dem Ensemble Modern bereits an der Uraufführung des «riss»-Zyklus beteiligt war. «iv» steht für «introvertiert» und bezeichnet eine Reihe intimer, fragiler und geheimnisvoller Werke für Soloinstrumente und kammermusikalische Besetzungen.
Michael Büttler (Posaune Solo); Ensemble Phoenix Basel; Jürg Henneberger (Musikalische Leitung)
Mark Andre (*1964):
«iv 6» (2026–27, UA, Auftrag Michael Büttler) für Posaune solo
«riss I» (2015–17)
«riss II» (2014)
«riss III» (2014–16)
Konzerteinführung mit Jürg Henneberger jeweils 1 Stunde vor Konzertbeginn:
Sa. 12.12.26 um 19:00 Uhr
So. 13.12.26 um 18:00 Uhr
60 Minuten, keine Pause
CHF 35.-/25.-/15.- (frei wählbar an der Abendkasse oder im Vorverkauf)
Freier Eintritt gilt für Personen mit Aufenthaltsbewilligung N, F oder S. / CHF 5.- Studierende der Hochschule für Musik FHNW und des Musikwissenschaftlichen Seminars der Uni Basel / CHF 10.- Mitglieder Colourkey, KulturLegi und Kinder unter 12 Jahren.
Um den Spielplan monatlich per Post zu erhalten, schreiben Sie uns bitte eine → E-Mail.
Für den Newsletter können Sie sich hier anmelden.
Informationen zur Barrierefreiheit, zu Vergünstigungen und Begleitpersonen finden Sie → hier.
Unterstützen Sie die lokale Musikszene und schenken Sie Kultur. Geschenkgutscheine für den Gare du Nord können in beliebiger Höhe jederzeit hier oder per E-Mail bestellt werden.