«Musiktheaterformen»

Facetten des aktuellen Musiktheaters in Präsentation und Gespräch

Was sind die Ingredienzien für spannendes Musiktheater?
Wir präsentieren in dieser Spielzeit acht höchst unterschiedliche Musiktheaterproduktionen aus den Bereichen Kammeroper, instrumentales Theater, Théâtre musical und experimentelles Musiktheater.

An drei Abenden bittet der Musikwissenschaftler Roman Brotbeck in der Reihe «Pot au feu» nach der Aufführung zu Tisch in die Bar du Nord. Bei Suppe und Wein geht es um Fragen, Eindrücke und um eine Auseinandersetzung mit der jeweiligen musiktheatralischen Form.


Do 19.10./Sa 21.10./So 22.10./Mo 23.10.*/Di 24.10.17* je 20:00 * 19:00 Einführung

«Lamento» (Uraufführung)

Musiktheater nach Claudio Monteverdis «Orfeo» und Salvatore Sciarrinos «Luci mie traditrici» mit dem Epilog «Distendi la fronte» (UA)
Die menschliche Schwäche zieht sich wie ein blutiger Faden durch unsere Geschichte.
Blind vor Liebe, Wut, Selbstüberschätzung, Eifersucht oder Machtgier überschreiten Helden ihren «Point of no Return». Nach der Tat kommt die Reue, das «Lamento» – der Schmerz über den Verlust, das Mitleid mit den Opfern, mit sich selbst. «Lamento» untersucht diese Handlungsspirale anhand zweier Opern, die 400 Jahre auseinanderliegen: Claudio Monteverdis «Orfeo» und «Luci mie traditrici» von Salvatore Sciarrino. Sciarrino hat eigens für diesen Abend einen Epilog komponiert: «Distendi la Fronte» – «Entspanne die Stirn».

Mit: Ulrike Hofbauer (Sopran), Anastasia Terranova (Sopran), Anna Willerding
(Sopran), Laura Binggeli (Mezzosopran), Kai Wessel (Countertenor), Jacob Lawrence (Tenor), Kimon Barakos (Bariton), Edward Yehenara (Bass-Bariton) sowie dem Ensemble ad astra der Schola Cantorum Basiliensis und dem Ensemble Diagonal der Hochschule für Musik.

Regie und Konzept: Désirée Meiser, Musikalische Leitung: Jürg Henneberger und
Giorgio Paronuzzi, Bühne und Kostüme: Caroline Grobben, Licht: Stefan Marti, Video:
Mat Branger, Dramaturgie: Anja Wernicke, Bühnenbau: Jean-Marc Desbonnets, Technische
Betreuung: Mario Henkel, Choreographisches Coaching: Jessica Billeter

Produktion und Kompositionsauftrag von Gare du Nord, Hochschule für Musik und Schola Cantorum Basiliensis (Musikhochschulen FHNW) im Rahmen des Jubiläums zum 150-jährigen Bestehen der Musik-Akademie Basel. In Koproduktion mit dem Nationaltheater Mannheim.


Di 21.11.*/Mi 22.11.17 je 20:00

«Durst & Frucht» – Wörter vollenden. Jacob & Wilhelm Grimm

Eine Koproduktion mit Gare du Nord und Musikfestival Bern

Zwei Brüder arbeiten unablässig Wörter ab, Tag für Tag, Tür an Tür, in unterschiedlichem Tempo, mit unterschiedlichen Techniken. Die Komponistin Annette Schmucki erzählt von der Arbeit der Brüder Grimm am deutschen Wörterbuch, vom Jagen und Sammeln der Sprache, vom Versuch, den Sprachberg zu zähmen. Schmuckis «Wortlistenmusik» für Sprechstimmen, Ensemble und Videoprojektionen ist eine Grenzwanderung zwischen Musik und Sprache, ein Kippen von Sprache in Musik und umgekehrt.

Mit: ensemble proton bern (Instrumente/Dirigat), Maulwerker Berlin (Stimmen): Regie: Therese Schmidt, Bühne/Kostüme: Hsuan Huang, Licht: Konrad Dietze, Video: Annie Rüfenacht, Produktion: Helena Tsiflidis
Musik: Annette Schmucki (Uraufführung)

*Im Anschluss: «pot au feu – Suppe und Gespräch» mit Roman Brotbeck


Do 25.01./Fr 26.01.18 je 20:00

«Mill'feuille» – ensemble viceversa

In «Mill’feuille» überlagern sich die Schichten: Hör- und Sehstücke wechseln sich ab. ensemble viceversa arbeitet mit Elektronik und Projektionen, Szene und Live-Musik und überrascht die Perzeption des Publikums immer wieder. Spiegelung, Umkehrung und Imitation sind die Themen dieses Abends. Die Harfe wird zur szenischen Spielfläche, der Laptop gerät als Wort-Instrument ausser Kontrolle, Barcodes werden zu Kunstobjekten mit geheimer Botschaft.

Mit: ensemble viceversa: Barbara Schingnitz (Mezzosopran), Lanet Flores (Klarinette), Estelle Costanzo (Harfe), Robert Torche (Multimedia), Claudia Vonmoos (Konzept / Regie)
Musik: Pierre Boulez, Jürg Wyttenbach (UA), Balz Trümpy, Cornelius Hirsch (UA), Caspar J. Walter (UA) und Robert Torche (UA)


IGNM Basel

Do 08.02.18 20:00

«If you know what I mean» – DieOrdnungDerDinge

Ein szenisches Konzert über die Kunst des Übersetzens

Wie sieht Bruckners 7. Sinfonie in der Mimik eines Zuhörers aus? Was passiert, wenn man eine Komposition in Licht übersetzt? Das Berliner Ensemble DieOrdnungDerDinge inszeniert zeitgenössische Kompositionen zu einem humorvoll-poetischen Abend. Die MusikerInnen, die auch PerformerInnen sind, begeben sich auf eine Gratwanderung zwischen Konzert und Musiktheater. Auf dem Programm stehen Uraufführungen von Ana-Maria Rodriguez und Cathy van Eck sowie neue Werke von Simon Steen-Andersen, Carolyn Chen, Irene Galindo und Iñigo Giner Miranda.

Mit: Vera Kardos (Geigerin und Performerin), Cathrin Romeis (Schauspielerin und Cellistin), Daniele Pintaudi (Schauspieler und Pianist) und Iñigo Giner Miranda (Komponist, Pianist und Performer)


Di 20.03.*/Do 22.03.18 je 20:00

«Orpheus» – Freie Oper Zürich

Der Musiker Orpheus hebelt mit seinem Gesang die Gesetze der Natur aus. Er steigt hinab in die Unterwelt und erwirkt durch seine Musik die Rückgabe Eurydikes von den Toten. Der Mythos um den Sänger birgt Brisanz: denn Orpheus verschiebt Grenzen. Grenzen sind faktisch, wenn es um territoriale Begrenzung, und doch unfassbar, wenn es um eine genaue Wesensbestimmung geht. Je nach Perspektive zeigen sie sich als durchlässig. In der Komposition von Dominique Girod thematisiert die Freie Oper Zürich Variationen von Grenzperspektiven in unserer aus den Fugen geratenen Welt.

Mit: Denise Wintsch (Schauspiel), Irina Ungureanu (Sopran), Philipp Caspari (Countertenor), Isa Wiss (Alt) und Niklaus Kost (Bariton), Tobias Gerber (Saxophon), Matthias Spillmann (Trompete), Ivana Pristasova (Violine), Petra Ackermann (Bratsche), Karolina Öhman (Cello), Dominique Girod (Kontrabass), Urs Vögeli (Gitarre), Sebastian Hofmann (Perkussion), Tamriko Kordzaia und Rafael Rütti (Piano); Dominique Girod (Komposition, Musikalische Leitung), Corsin Gaudenz (Text, Regie), Benno Muheim (Dramaturgie), Barbara Pfyffer (Bühne), Carola Ruckdeschel (Kostüme), Lukas Piccolin (Produktionsleitung)

*Im Anschluss: «pot au feu – Suppe und Gespräch» mit Roman Brotbeck


Do 12.04.*/Fr 13.04.18 je 20:00

«Sinatra in Agony» – Oscar Bianchi

Eine Koproduktion mit Gare du Nord und LAC Lugano

Frank Sinatra leidet. Ein grosses Dilemma quält ihn. Soll er sich ganz dem stillen Ruhm hoher Künste verschreiben oder doch dem glitzernden Weg der Popmusik folgen? Eines ist klar: Tief in seinem Herzen wollte Sinatra eigentlich immer ein grosser Countertenor werden. Doch er muss schon früh eingesehen haben, dass man die Massen nicht mit zeitgenössischer Musik für sich gewinnen kann. Seitdem übt er sein Falsetto nur, wenn ihn niemand hören kann, allein unter der Dusche oder spät nachts über den Dächern ...

Mit: Daniel Gloger (Countertenor), Nouvel Ensemble Contemporain unter der Leitung von Pierre-Alan Monot u.a.; Oscar Bianchi (Komposition / Regie), Marlene Kolatschny (Text, Dramaturgie), Helena Tsiflidis (Produktion)

*Im Anschluss: «pot au feu – Suppe und Gespräch» mit Roman Brotbeck


Do 03.05./Fr 04.05.18 je 20:00

«Whole Body Like Gone» – Zafraan Ensemble

Ein Musiktheater mit Kompositionen von Evan Gardner und Antoine Daurat (UA)

Wie prägen die Verheissungen des American Dream die Kultur junger Individuen? Wie beeinflusst Popkultur den Prozess der Identitätsbildung? Das Musiktheater «Whole Body Like Gone» erkundet in Anlehnung an «Little Orphan Annie» die Prägung durch Alltagsmythen sowie die Identitätsbildung als Prozess mit einem Gegenüber. Es entsteht ein musikalisches Kammerspiel von Abgrenzung und Aneignung, in dem jeder Musiker zunehmend zum Akteur wird.

Mit: Dénise Beck (Sopran) und Zafraan Ensemble; Clemens Hund-Göschel (Künstlerische Leitung), Ulrike Schwab (Inszenierung), Isabelle Kranabetter (Dramaturgie)


Di 29.05/Mi 30.05.18 je 20:00

«Eroica» – Theater Marie und argovia philharmonic

Eine Koproduktion von Gare du Nord und Theater Tuchlaube Aarau

Ludwig van Beethovens Eroica-Symphonie oszilliert zwischen Verklärung und Zweifel: Ist das Leben ein Geschenk oder eine Zumutung? Theater Marie und argovia philharmonic bringen die Symphonie auf die Bühne. Sie setzen die Musik als szenisches Element ein und lassen sie in der Bewegung einer Gruppe älterer Menschen, die sich auf einem Begegnungsplatz treffen, widerhallen.

Mit: argovia philharmonic und Bewegungschor; Bo Wiget (Komponierte Interpretation und musikalische Leitung), Olivier Keller (Regie), Erik Noorlander und Andreas Bächli mit den Studierenden Tobias Maurer und Nathalie Benz, Institut Innenarchitektur und Szenografie HGK FHNW (Szenografie), Tatjana Kautsch (Kostüm), Patric Bachmann (Dramaturgie), Jonas Egloff (Coaching Bewegungschor), Rebecca Etter (Vermittlung)

Event Sitemap