So 17.09. 11:00
Mo 18.09. 20:00
Di 19.09. 20:00

Tickets:
ZeitRäume Basel
CHF 30.-/15.-


Festival ZeitRäume Basel 2017

«One Shot Train» –François Sarhan

Den Gare du Nord zu betreten ist bekanntlich strengstens verboten: Weite Teile des Gebäudes sind für die Öffentlichkeit seit vielen Jahren komplett unzugänglich; die einzigen Ausnahmen sind die bei Fussballfans beliebte Bar du Nord sowie der heutige Konzertsaal, in dem jährlich hunderte von MusikerInnen auftreten.

Doch sogar intimen Kennern der Basler Architektur-, Sozial-, Politik- und Verkehrsgeschichte ist es vollkommen unbekannt, was sich direkt hinter den holzvertäfelten Wänden der öffentlich zugänglichen Räume des Gare du Nord verbirgt. Es ist dem Festival ZeitRäume Basel und der Direktion des Gare du Nord zu verdanken, dass die unzugänglichen Räume 2017 erstmals der Wissenschaft zur Verfügung gestellt wurden.

Ein mehrmonatiges Forschungsprojekt förderte nun eine wahre Flut überraschender Ergebnisse zutage. Der wissenschaftliche Leiter des Projekts, der in Basel und Berlin lebende François Sarhan, hat gemeinsam mit einem Forschungsteam des Eunoia Quintetts vor Ort umfangreiche historische und soziologische Studien durchgeführt. Mit Behutsamkeit und methodischer Genauigkeit näherten Sie sich dem geschlossenen Bereich des Bahnhofs und seinen nach und nach ans Licht geförderten Bewohnern an. Dabei wurde dem Dunkel der Geschichte unter anderem die Biographie des zwielichtigen Politikers Ursène Astrapende entrissen, der hier 1902 (oder nach anderen Quellen 1903) zur Welt kam und vom Gare du Nord aus jahrzehntelang in einer Art Schattenregierung Einfluss auf das nationale politische Geschehen nahm.

Das wohl verblüffendste Ergebnis des Forschungsprojekts ist, dass ein Grossteil der Funktionen des heutigen Badischen Bahnhofs noch immer von den verborgenen Räumen des Gare du Nord aus gesteuert wird. Die dialogische Abstimmung der Fahrpläne, die Rhythmuserzeugung der Weichenstellungen, die ständige Kontrolle der Kontrolleure sowie die Herstellung und Lagerung der Bahnhofsuhren wurden bereits vor der eigentlichen Bahnhofseröffnung an Ort und Stelle begonnen. Sie werden bis auf den heutigen Tag von strikt abgeschirmten Angestellten in rituell anmutender Regelmässigkeit durchgeführt.

Im Rahmen von ZeitRäume Basel wird dieser Bereich nun erstmals eingeschränkt öffentlich zugänglich gemacht. Die unsichtbare Bahnhofsdirektion hat der temporären, teilweisen Öffnung allerdings nur unter extremen Sicherheitsauflagen zugestimmt. Im Interesse Ihrer eigenen Sicherheit sowie zum Schutz der scheuen Bewohner des Gare du Nord bitten wir Sie, folgende Sicherheitsauflagen stets zu beachten:

– Setzen Sie zu Beginn die Kopfhörer auf, die Sie am Ausgangspunkt der Führung in der Bar du Nord erhalten.
– Bleiben Sie stets in Ihrer Gruppe und folgen Sie den Anweisungen des wissenschaftlichen Personals.
– Bitte verhalten Sie sich aufmerksam, leise und stets dem wissenschaftlichen Ernst des Projekts angemessen.
– Weitere Informationen finden Sie online auf www.wikiglacon.org.

Mit: Eunoia Quintett: Johanna Greulich (Sopran), Stephen Menotti (Posaune), Ellen Fallowfield (Violoncello), Louisa Marxen (Schlagzeug), Clemens Hund-Göschel (Klavier); Klangregie: Camille Lézer (La muse en Circuit); Licht: Madlen Hallauer; Technische Unterstützung: Mario Henkel; Regie, Konzept, Text, Video, Musik: François Sarhan

Programm: François Sarhan (*1972): «One Shot Train» Die Wahrheit über den Gare du Nord. Ein enzyklopädisches Stationentheater (2017, UA)

Die Stationen:

  • Erdgeschoss/Bar du Nord: Treffpunkt und Beginn
  • Obergeschoss: Die Fahrplanzentrale/Das Privatbüro des Bahnhofsdirektors
  • Obergeschoss: Das Kontrollamt für Kontrolleure/Die Votivkapelle der Hl. Helena, Schutzheilige des Gare du Nord
  • Tiefgeschoss: Die Uhrmacherwerkstatt/Die Ur-Uhr
  • Erdgeschoss: Das Stellwerk/Das persönliche Parlament von Ursène Astrapende/Der Konzertsaal

Kompositionsauftrag des Eunoia Quintett, finanziert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung

Produktion Euinoa Quintett in Koproduktion mit La muse en Circuit, Gare du Nord, ZeitRäume Basel in Kooperation Wien Modern
Unterstützt durch Association du Concours Nicati, Saly Frommer Foundation und Isaac Dreyfuss-Bernheim Stiftung.
ZeitRäume dankt der Stiftung Bartels Fondation für die Unterstützung von François Sarhan.

www.zeitraeumebasel.com
www.eunoiaquintett.com
www.francoissarhan.ch

Foto: Anna-Katharina Scheidegger
Bild aus François Sarhans «Enzyklopädie»

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