Ensemble Phoenix Basel

«Pioniere der Neuen Musik I: Giacinto Scelsi & Gérard Grisey» – Ensemble Phoenix Basel

Gewisse Pioniere Neuer Musik sind bedeutsam für den weiteren Verlauf musikgeschichtlicher Entwicklungen, andere wieder Endpunkte, dritte Erscheinungen einer in sich geschlossenen Welt ohne direkten Bezug zum Vor- und Nachher. Ein besonders eigenwilliger Repräsentant der dritten Gattung ist Giacinto Scelsi, Graf von d’Ayala Valva, dessen Musik nicht stringent in das Bild der Strömungen der Moderne passt; seine Musik wird wohl immer einzigartig und unverwechselbar klingen.
Gérard Grisey, Begründer des ‹Spektralismus› beeinflusst dagegen bis heute Generationen von Komponist*innen. Das Ensemble Phoenix Basel stellt die beiden in ihrem Duo-Schaffen gegenüber; von Grisey erklingen sämtliche Werke für Duo, von Scelsi diejenigen für zwei Streichinstrumente – im Programm sich gegenseitig intarsierend.

Mit: Solist*innen des Ensemble Phoenix Basel, Jürg Henneberger (Künstlerische Leitung)

Programm: sämtliche Duos von Gérard Grisey (1946-1998) und sämtliche Duos für Streicher von Giacinto Scelsi (1905-1988)

Das ausführliche Programm kann im Abendprogramm nachgelesen werden.

Ensemble Phoenix Basel © Felix Groteloh

Ensemble Phoenix Basel © Felix Groteloh

Biografien

Giacinto Scelsi geboren am 8.1.1905 in La Spezia, zählt zu den wichtigsten Exponenten der Musik des 20. Jahrhunderts, obwohl er in relativer Zurückgezogenheit und am Rande der offiziellen Musikwelt gewirkt hat.
Früh schon hatte sich seine eminente Begabung als Improvisator bemerkbar gemacht, und er begann den traditionellen Weg des Komponisten einzuschlagen, u. a. studierte er während der Dreißigerjahre in Wien beim Schönberg-Schüler Fritz Klein. Scelsi begann sich schließlich immer mehr von den Zwängen des abendländischen Tonsatzdenkens zu entfremden. Er durchlebte eine persönliche und geistige Krise, begab sich auf ausgedehnte Reisen durch Afrika und Asien und fand schließlich - gestärkt durch Erkenntnisse der östlichen Philosophie und Mystik - zu einem neuen Verhältnis zur Musik. Nach der Mitte des Jahrhunderts begriff er sich selbst nicht mehr als Komponist, sondern eher als eine Art Medium, das über einen geistigen Zugang zu transzendenten Welten verfügt.
Er kehrte nach Rom zurück und widmete sich fortan einer Musik, die über mikrointervallisches Kreisen, energetisches Strömen in der Zeit, klangfarbliche Licht- und Schattenspiele in das Innere des Tones vorstoßen sollte. Auf immer neue Weise gelang es ihm mit Werken der verschiedensten Gattungen, magische Klangräume aufzutun, das Bewusstsein des Hörers auf meditative Weise zu fokussieren.
Dem klassisch-analytischen Zugriff verweigert sich diese Klangesoterik. Dazu der Musikologe Karl Dahlhaus: «Man kann Scelsis Musik zwar beschreiben, sie aber streng genommen nicht analysieren. Kategorien wie Thema und Entwicklung, Reihe und Ableitung, Harmonie, Rhythmus und sogar Klangfarbenmelodie versagen auf irritierende Weise angesichts einer Musik, deren sinnfälligstes Merkmal ein Gestus der Verweigerung ist».
Freilich, über eine Verweigerung solcher Art wird sinnfällig, und nicht nur das, es wird sinnlich spürbar, dass es Formen musikalischen Erlebens gibt, die im Abendland während vieler Jahrhunderte gewissermaßen systematisch ausgeblendet worden waren. Auch wir deutlich, dass es Dimensionen einer Geistigkeit gibt, die der westliche Mensch sich erst wieder über die Versenkung in elementaren Klang, über Intuition und Augenblickserfahrung erschließen kann. Giacinto Scelsi starb am 9.8.1988 in Rom.

Gérard Grisey wurde am 17. Juni 1946 in Belfort geboren und starb am 11. November 1998 in Paris. Seine musikalische Ausbildung erhielt er zwischen 1963 und 1965 zunächst am Konservatorium in Trossingen (Deutschland), dann von 1965 bis 1972 am Conservatoire National Supérieur de Musique in Paris, wo er von 1968 bis 1972 bei Olivier Messiaen Komposition studierte. Daneben führten ihn weitere Studien zu Henri Dutilleux (Paris 1968, an der École Normale Supérieur de Musique) sowie zu Karlheinz Stockhausen, György Ligeti und Iannis Xenakis (Darmstadt 1972). Elektroakustische und akustische Studien folgten bei Jean-Étienne Marie (1969) und bei Émile Leip an der Faculté des sciences de Paris (1974). Er war Stipendiat der Villa Medici in Rom (1972-74), am IRCAM in Paris (1980) und danach beim DAAD in Berlin. Gérard Grisey war Mitbegründer des Ensemble Itinéraire und unterrichtete an den Darmstädter Ferienkursen, in Freiburg, am IRCAM, an der Scuola Civica in Mailand sowie an mehreren amerikanischen Universitäten. Von 1982 bis 1986 wirkte er als Professor für Komposition an der Berkley University in Kalifornien und anschliessend (bis zu seinem Tod) am Conservatoire National Supérieur in Paris. Grisey gehört zu den Begründern der spektralen Musik. Er erhielt weltweit Aufträge von grossen Institutionen, und seine Werke erfuhren schon zu Lebzeiten insbesondere in Europa und Amerika grosse Verbreitung.

Alle Termine

Do 11.11.21 20:00
ca. 105 Minuten
inkl. Pause

Fr 12.11.21 20:00
ca. 105 Minuten
inkl. Pause

Ermässigungen Abendkasse
0.– Refugees

CHF 5.- Reduktion auf den Normalpreis für Sonart-Mitglieder

Jeweils um 19:00 Konzerteinführung mit Jürg Henneberger

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