Ensemble Phoenix Basel

«Phoenix Trabant 21/22» Abschlusskonzert des Kompositions-Wettbewerbs

Das Ensemble Phoenix Basel führt zum vierten Mal einen biennalen internationalen Kompositions-Workshop durch. In drei vorbereitenden Modulen bekommen junge Komponist*innen die Gelegenheit mit Spezialist*innen über den Zeitraum von 18 Monaten zu experimentieren. Für das abschliessende vierte Modul, dann als integraler Teil der Konzertreihe des Ensemble Phoenix Basel, erhalten zwei ausgewählte Absolvent*innen den Auftrag, mit einem neuen Werk einen musikalischen ‹Kommentar› zu einem Zentralwerk des 20. oder 21. Jahrhunderts zu komponieren. Die neuen Werke sollen quasi als ‹Trabanten› diese Komposition ‹umkreisen›, d.h. Bezug darauf nehmen oder diese kontrastieren. Die beiden Trabanten werden sich dieses Mal um eines der Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts, ‹Vortex temporum› des französischen Komponisten Gérard Grisey drehen, der den Musikstil der ‹Spektralmusik› entscheidend geprägt hat.

Mit: Ensemble Phoenix Basel, Ludovic Van Hellemont (Klavier Solo), Jürg Henneberger (Musikalische Leitung)

Programm: Gérard Grisey (1946–1998): ‹Vortex Temporum I, II, III› für Klavier und fünf Instrumente (1994–1996); Sebastian J. Meyer (*1994): ‹Ich setzte den Fuss in die Luft, und sie trug› (In Memoriam Bernhard Ambros Batschelet) für Ensemble (2021, UA); Mathias Johannes Schmidhammer (*1991): ‹...und sie bewegt sich doch› für Klavier und Ensemble (2021, UA); zwei Preisträger*innen des Trabant-Workshops

Je 19:00 Einführung mit Jürg Henneberger

Ensemble Phoenix Basel © Felix Groteloh

Ensemble Phoenix Basel © Felix Groteloh

Programmnotizen und Biografien

Das Ensemble Phoenix Basel führte in der Saison 2020/21 zum vierten Mal einen biennalen internationalen Kompositions-Workshop durch. In drei vorbereitenden Modulen – diese unterstützt durch die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia – bekommen junge Komponist*innen zu Beginn ihrer Karriere die Gelegenheit, mit uns als professionellem Spezialist*innen-Ensemble über den Zeitraum von 18 Monaten zu experimentieren.
Für das abschliessende vierte Modul – dann als integraler Teil der Konzertreihe des Ensemble Phoenix Basel – erhalten zwei ausgewählte Absolvent*innen der Vorbereitungsphase den Auftrag, mit einem neuen Werk einen musikalischen ‹Kommentar› zu einem Zentralwerk des 20. oder 21. Jahrhunderts zu komponieren. Die neuen Werke sollen quasi als Trabanten diese Komposition ‹umkreisen›, d.h. Bezug darauf nehmen oder diese kontrastieren. 2019 werden sich die beiden Trabanten um eines der Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts, Vortex Temporum des französischen Komponisten Gérard Grisey drehen, der den Musikstil der ‹musique spectrale› (Spektralmusik) entscheidend geprägt hat.

Mathias Johannes Schmidhammer

Mathias Johannes Schmidhammer (*1991) studierte Komposition und Klavier-Pädagogik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Zu seinen Lehrenden zählten Michael Jarrell und Johannes Maria Staud. Er schloss beide Studien mit Auszeichnung ab.
2018 erhielt er den ‹Ö1 Talentebörse Kompositionspreis›, 2021 das Staatsstipendium für Komposition des österreichischen Ministeriums für Kultur, öffentlichen Dienst und Sport. Er erhielt u.a. Kompositionsaufträge von Alejandro Biancotti (Solocellist des Haydn-Orchesters Bozen-Trient), dem Platypus Ensemble, dem Ensemble Phoenix Basel und dem Mitteleuropäischen Kammerorchester. Seit 2016 ist er Mitglied des Südtiroler Künstlerbundes, über den er ebenfalls zahlreiche Aufträge erhielt.
Die Vermittlung zeitgenössischer Musik und des Komponierens ist ihm auch ein wichtiges Anliegen, deshalb gibt er regelmäßig Kompositionsworkshops an Schulklassen, u.a. mit den Wiener Symphonikern.

«…und sie bewegt sich doch» (2021)

Der Titel des Stückes verweist auf den berühmt gewordenen Satz von Galileo Galilei, der – nachdem er das von ihm entdeckte heliozentrische Weltbild widerrufen musste – diese Aussage gemurmelt haben soll. Galilei erkannte, dass sich die Erde um die Sonne bewegen muss, weil er die Kreisbewegungen der Jupitermonde um den Planeten betrachtet hatte.
Dieses Stück versucht nun, diese Idee mit der Vorgabe zu kombinieren, dass die Stücke des Trabant-Workshops sich wie Trabanten zu Gérard Griseys Vortex temporum verhalten sollen. Einerseits spielen die mikrotonal umgestimmten Töne des Klaviers eine wichtige Rolle: Sie sollen wie Gravitationszentren wirken, die sehr prominent hervortreten und durch ihre ungewöhnliche Harmonie auch die Bewegungen der anderen Instrumente beeinflussen. Andererseits spielen in diesem Stück auch kreisförmige Bewegungen eine große Rolle. Vor allem das Klavier verwendet im Laufe des Stückes immer wieder die gleichen Töne, wodurch der Eindruck einer Rotation entstehen soll. Schließlich soll auch durch die unvorhersehbare Rhythmik und durch einige Passagen, in denen die Schwerkraft aufgehoben scheint, auch die Größe und Weite des Alls erahnt werden können, die Galilei so fasziniert haben.

Sebastian Meyer

Der 1994 in Basel geborene Komponist Sebastian J. Meyer erhielt seinen ersten Kompositionsunterricht bei Sandro Balzarini im Alter von 17 Jahren. Nach seiner Maturaarbeit «Die Dodekaphonie-Eine theoretische Untersuchung und eine eigene Komposition» am Gymnasium Leonhard mit Beat Gysin als Referent folgte ein Jahr Kompositionsunterricht bei Andrea Lorenzo Scartazzini. Anschliessend absolvierte er ein Jahr Studienvorbereitung an der Musikakademie Basel bei Caspar Johannes Walter.
Im Jahre 2018 schloss Sebastian J. Meyer sein Bachelor of Arts bei Erik Oña an der Musikakademie Basel ab. Zur Zeit studiert er im Master Schulmusik II mit Hauptfach Komposition ebenfalls an der Musikakademie Basel bei Michel Roth und Jakob Ullmann. Weiteren wichtigen kompositorischen Input erhielt Sebastian J. Meyer bei Bernhard A. Batschelet, Clara Ianotta und Vito Žuraj. Neben seinem Studium arbeitet Sebastian J. Meyer in der niederschwelligen offenen Kinder- und Jugendarbeit auf dem Jugendland in Allschwil und ist verantwortlich für die Vermittlungsarbeit beim Ensemble Phoenix Basel.

«Ich setzte den Fuss in die Luft, und sie trug.» (2020/21)

Das Ensemblestück «Ich setzte den Fuss in die Luft, und sie trug» entstand während der intensiven Auseinandersetzung mit dem kompositorischen Nachlass des Basler Komponisten und Flötisten Bernhard A. Batschelet. Stets engagiert und urmusikalisch fasziniert mich bei seinen Werken besonders die geschickt verschleierte tonale Denkweise und die raffinierte gestische Gestaltung. Im Zentrum meiner Reminiszenz an diesen grossen Musiker steht der zweite Satz „erinnert“. Basierend auf Batschelets Flötensolostück «Intrata – Auftakt zu einem barocken Stück» wird das Material mit Hilfe des Ensembles erweitert, geschärft aber auch infrage gestellt. Es entsteht eine musikalische Diskussion zwischen Batschelets Originaltext und meiner eigenen kompositorischen Arbeit.
In den Sätzen «hin zu...» und «...weg von» werden die Referenzen zu Batschelets Musik freier behandelt. Weniger eine Diskussion als vielmehr ein Versuch mich musikalisch mit den durch die Auseinandersetzung mit Batschelets Musik gewonnen Erkenntnissen auseinanderzusetzen.
Dieses Konglomerat aus Referenzen kreist auf einer höheren strukturellen Ebene wiederum um Gérard Griseys «Vortex Temporum». Sozusagen im Strudel der Zeit basiert die formale und die rhythmische Gestaltung auf gedehnten und gestauchten polyrhythmischen Strukturen.

Gérard Grisey

Gérard Grisey wurde am 17. Juni 1946 in Belfort geboren und starb am 11. November 1998 in Paris. Seine musikalische Ausbildung erhielt er zwischen 1963 und 1965 zunächst am Konservatorium in Trossingen (Deutschland), dann von 1965 bis 1972 am Conservatoire National Supérieur de Musique in Paris, wo er von 1968 bis 1972 bei Olivier Messiaen Komposition studierte. Daneben führten ihn weitere Studien zu Henri Dutilleux (Paris 1968, an der École Normale Supérieur de Musique) sowie zu Karlheinz Stockhausen, György Ligeti und Iannis Xenakis (Darmstadt 1972). Elektroakustische und akustische Studien folgten bei Jean-Étienne Marie (1969) und bei Émile Leip an der Faculté des sciences de Paris (1974). Er war Stipendiat der Villa Medici in Rom (1972-74), am IRCAM in Paris (1980) und danach beim DAAD in Berlin. Gérard Grisey war Mitbegründer des Ensemble Itinéraire und unterrichtete an den Darmstädter Ferienkursen, in Freiburg, am IRCAM, an der Scuola Civica in Mailand sowie an mehreren amerikanischen Universitäten. Von 1982 bis 1986 wirkte er als Professor für Komposition an der Berkley University in Kalifornien und anschliessend (bis zu seinem Tod) am Conservatoire National Supérieur in Paris. Grisey gehört zu den Begründern der spektralen Musik. Er erhielt weltweit Aufträge von grossen Institutionen, und seine Werke erfuhren schon zu Lebzeiten insbesondere in Europa und Amerika grosse Verbreitung.

«Vortex Temporum I, II, III» (1994-1996)

Viele seiner Stücke haben Atemvorgänge (sehr elementare Zeitgestalten) als Modell – «Vortex Temporum» zum Beispiel ist ein ‹Wirbel der Zeit› für Klavier und Quintett. Eine rasch sich aufbauende Klangsäule – einatmen –, die anschwillt und flirrend pulsiert und in lang gestreckter Kurve abschwillt – ausatmen –, bis sie verflogen und zu Stille geworden ist, worauf ein neuer Zyklus von Luftholen, -halten, -verströmen einsetzt. Dieses Modell ist der Musik näher liegend, als die Metapher scheinen lässt, denn es entspricht der Natur des Klanges, der immer eine Einschwingphase, eine quasi-stationäre Phase und einen Abklingvorgang hat. Grisey hat nur den Maßstab vergrößert und die Prozesse, die sonst im Millisekundenbereich (oder beim Atmen im Sekundenbereich) ablaufen, auf Minutenlängen vergrößert – Komposition als Maßstab der Zeit.
-Frank Hilberg

Alle Termine

Sa 08.01.22 20:00
ca. 95 Minuten
inkl. Pause

19:00 Einführung mit Jürg Henneberger

So 09.01.22 20:00
ca. 95 Minuten
inkl. Pause

19:00 Einführung mit Jürg Henneberger

Ermässigungen Abendkasse
5.– Stud. Musikwiss. Uni Basel + HfM FHNW
0.– Refugees
5.- Reduktion auf den Normalpreis für Sonart-Mitglieder

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