Jürg Wyttenbach ist aus dem Programm unseres Musikbahnhofes nicht wegzudenken. Durch die unglaubliche stilistische und klangliche Vielfalt seines kompositorischen Schaffens konnte er generationenübergreifend Künstler*innen und Publikum für seine Musik begeistern. Er war ein Verführer. Zu seinem klugen Witz gesellte sich immer auf eine Prise Anarchismus, die dem in der Schweiz lebenden Weltbürger gleichsam auch einen Hauch von Fremdsein im eigenen Land verlieh. Ähnlich wie sein viel zu früh verstorbener Freund Mani Matter, der mit seinem gnadenlos staunenden Blick auf seine Landsleute wunderbar schräge und zutiefst philosophische Texte und Lieder verfasste. Dieses ad absurdum führen der scheinbaren Normalität war eine Leidenschaft der beiden Freunde. Das gemeinsame Projekt «Der Unfall», endete 1972 so abrupt wie absurd mit Mani Matters Unfalltod.

Viele Jahre später Tages kam Jürg Wyttenbach eines Tages in die Bar du Nord, mit einer alten Plastiktüte in der Hand, welche er uns feierlich überreichte. In dieser Tüte befand sich das Libretto eben dieses Projektes «der Unfall», das seit dem Unglück fast 40 Jahre in der Schublade von Jürgs Schreibtisch gelegen hatte. Nun sollte die alte Rechnung also beglichen und die Idee doch noch zum Leben erweckt werden. Der Inhalt der Plastiktüte fand schliesslich den Weg auf die Bühne des Lucerne Festivals und des Gare du Nord, mit grossem Erfolg. Dieses Vertrauen, das er uns in dem Moment der Übergabe seines lange verborgenen Schatzes schenkte, ist eine der vielen unvergesslichen Gesten der Freundschaft, die Jürg Wyttenbach uns zukommen liess.

Wir danken ihm und wünschen ihm Freiheit in den himmlischen Sphären.

© Telemach Wiesinger

© Telemach Wiesinger

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