Musiktheaterformen

«Die Beelzebub Sonate» – Aleksander Gabryś

Der Musiktheater-Abend «Die Beelzebub Sonate» basiert auf einem der wichtigsten Theaterstücke des polnischen Autors Stanisław Ignacy Witkiewicz (Witkacy) aus dem Jahr 1925, in dem er den Fauststoff in die Musikwelt verlegt. Die Hölle wird darin zum bizarren Nachtclub und der Teufel selbst verzweifelt an seiner Unfähigkeit, ein Künstler zu sein. Fast 100 Jahre später untersuchen wir mit ausgewählten Texten, mikrotonalen Klängen und selbst gebauten Instrumenten, wie weit die inneren und äusseren artistischen Kämpfe gehen müssen, um frische Kunst zu erzeugen und die medialen Grenzen zu überwinden.

Aleksander Gabryś greift mit dem Beelzebub – dem Dieb der Talente – und einem Ensemble hervorragender Solist*innen diese Ader des Traums und der grotesken Fantasie Witkacys auf.

Info: Am 21.4. im Anschluss Pot au feu.

Mit: Maja Bader (Stimme/Performance), Michael Engelhardt (Stimme/Performance), Leonhard Dering (Klavier/Performance), Kaspar König (Instrumente/Performance), Aleksander Gabryś (Kontrabass/Performance)

Programm: Aleksander Gabryś (*1974): «Die Beelzebub Sonate» (2021-22, UA)


Biografien:

Maja Bader:
Die Sopranistin Maja Bader wurde in Luzern geboren und schloss 2019 mit Auszeichnung ein Masterstudium bei Barbara Locher an der Musikhochschule Luzern ab. Künstlerisch prägten sie Meisterkurse bei Margreet Honig, Wolfgang Rihm, Malcolm Walker, Brigitte Geller. Gegenwärtig wird sie in der Masterclass Sandra Trattnigg in Zürich ausgebildet.
Im KKL Luzern sang sie als Solistin im Requiem von Gabriel Fauré. Solistische Erfahrung erhielt sie u.a. am Theater Luzern, Stadttheater Sursee, Künstlerhaus Boswil, Theater La Poste Visp und am Grand Théâtre de Luxembourg. Sie arbeitete u.a. mit den Dirigenten Howard Arman, Javier Ulises Illán, Clemens Heil, Pascal Meyer, Rick Stengårds, sang mit dem Luzerner Sinfonieorchester, dem Orchestre Philharmonique du Luxembourg und ist Solistin der Accademia Barocca Lucernensis. 2015 gewann sie den 1. Preis mit Auszeichnung des Schweizerischen Jugend-Musikwettbewerbs.
Am Luzerner Theater besetzte sie in der Spielzeit 16/17 und 17/18 die Papagena in «Die Zauberflöte». 16/17 sang sie hier die Titelpartie in der Oper «Alice in Wonderland» (1978) von Robert Chauls, zudem war sie als Solistin in den Produktionen Il Pasticcio und Arrivals and Departures beteiligt und gab 2018 ein Konzert als Duopartnerin von Jon Hood.
Erste Bühnenerfahrungen sammelte sie am Luzerner Theater bereits 2008 in der Hauptrolle der Oper «Die rote Zora» (UA) von Elisabeth Naske.
2019 entwickelte sie mit dem Pianisten Leonhard Dering als Initiatorin und Regisseurin die Musiktheaterproduktion «Ê KÔ DÔ – mon âme» am Neubad Luzern, in der sie als Sopranistin zusammen mit dem renommierten Schauspieler Graham F. Valentine auftrat.

Leonhard Dering:
Der Pianist Leonhard Dering wurde in Tomsk geboren, studierte in Frankfurt und Luzern und lebt in Basel. Konzerte führten ihn bisher in zahlreiche EU Länder, in die Schweiz, Ukraine, Russland, an renommierte Konzertorte, wie die Philharmonie im Gasteig, Odeonsplatz und Residenz München, Kurhaus Wiesbaden, Nationaltheater Mannheim, Salon Christophori Berlin, Mousonturm Frankfurt am Main, Amstelkerk Amsterdam, Gare du Nord Basel, Yehudi-Menuhin-Forum Bern – und zu Festivals, darunter die Donaueschinger Musiktage, das Beethovenfest Bonn, die Internationalen Maifestspielen Wiesbaden, MusikWerk Luzern, Festival Mas i Mas Barcelona, Piano Loop Festival Split. Aufnahmen mit ihm sendeten Deutschlandfunk Kultur, BR-Klassik, hr2-Kultur, NDR Kultur, SWR, Radio SRF 2 Kultur, hr-Fernsehen, MDR-Fernsehen und 3sat. Er gewann 2016 in Paris den 1. Preis des Concours International de Piano Alexandre Scriabine und erhielt 2017 das Richard-Wagner-Stipendium.
2019 debütierte er als Solist mit dem Hessischen Staatsorchester unter GMD Patrick Lange im Kurhaus Wiesbaden, mit dem 1. Klavierkonzert von Dmitri Schostakowitsch und dem Concertino für Trompete, Klavier und Orchester von André Jolivet.
Zum 250. Tauftag Beethovens 2020 spielte er gemeinsam mit dem Pianisten Kirill Zvegintsov in einer Konzert-Streaming- und Videoproduktion auf der Opernbühne des Nationaltheaters Mannheim Beethovens Neunte Sinfonie op. 125 in der Liszt-Transkription für zwei Klaviere.
Als Kammermusikpartner spielte er u.a. mit Mitgliedern des Ensemble Modern, den Pianisten Konstantin Lifschitz, Benjamin Engeli, dem Eliot Quartett, der Mezzosopranistin Josy Santos, dem Countertenor Andreas Scholl.
Als Pianist arbeitete Leonhard Dering zusammen mit KomponistInnen, so mit Jagoda Szymtka, Elnaz, Seyedi, Óscar Escudero. Im April 2019 spielte er in Kopenhagen die Uraufführung der «Four Lilith Valses», einem Klavierzyklus, den die Komponistin Marcela Lucatelli für ihn schrieb.
Die Arbeit mit Regisseuren – Thom Luz, Willy Praml, Michael Weber – und Schauspielern – Graham F. Valentine, Mario Fuchs – führte zu einer Reihe von Musiktheater-Produktionen u.a. am Deutschen Theater Berlin, Staatstheater Mainz, Pfauen Schauspielhaus Zürich und Theater Basel. Mit dem Mainzer Ensemble war er 2017 zum 54. Berliner Theatertreffen eingeladen.

Michael Engelhardt:
Michael Engelhardt ist versierter (durchwinterter) Sprecher von Poesie, insbesondere, historisch verantwortet, metrisch-rhythmisch-klanglich, ausartikuliert, Hölderlins Lyrik und romantische Balladen. Geboren in Bonn und auf der Bühne seit 1975, lebt er in den Niederlanden, und arbeitet seit 2020 auch in Sempach.
Er wurde an der Westfälischen Schauspielschule in Bochum ausgebildet und spielte seit 1981 auf den verschiedensten Bühnen in Deutschland, in kollektiven Theatergesellschaften, in freien Produktionen, sprach für alle Medien Texte ein.
Nach Auftritt 2021 auf dem Lucerne Festival und seinen Hölderlin-Soireen in Sempach, sowie der Zusammenarbeit mit pre-art und einer Solo-Kino-Performance, ist «Die Beelzebub Sonate» die fünfte Schweizer Produktion seit 2020 mit ihm.
Aleksander Gabryś und Michael Engelhardt begegneten sich zum ersten Mal im Nov. 2020 in Basel bei einem gemeinsam gestalteten Konzert. Sie ziehen sich gegenseitig an. Warum, weiss im Moment noch niemand so genau. Vielleicht, weil Engelhardt’s Grossmutter Polin war. Vielleicht auch nur, weil es so sein muss.

Links:
hldrln.de/
festival-sempach.ch/2022/

Aleksander Gabryś:
In Polen, in Schlesien geboren, ausgebildet an den Musikakademien in Kattowitz und Basel, kam Aleksander Gabryś 1999 zum Studium nach Basel, wo er seit dem lebt und u.a. als fester Kontrabass-Solist mit dem Ensemble Phoenix Basel arbeitet. Der auserwählten Stadt widmete er bereits einige Instrumental-Elektronik-Opern: Basel-Karneval (2000), Bas-El (2006), Basilesia für das Gesangsensemble Camerata Silesia (2020). Die Umsetzung des Stücks «Die Beelzebub Sonate» ist dank der Unterstützung des Fachausschuss Musik der beiden Kantone Basel-Stadt und Basel-Land möglich.
Zu den disziplinübergreifenden Kompositionsarbeiten von Aleksander Gabryś gehören: «Donquixoterie» für (Counter-)Tenor, Gitarre, Kontrabass und Live-Electronics (2008), «Pax, Freunde, Pax» für Trompete und Band (2008), «elUle» für Geige, Waldhorn und Naturhorn, Wagnertuba und Stimme (2010), «Bestiarium Fortune Square TrioTrip SinfAct» für Symphonieorchester, drei Solisten und Live-Electronics (2013), «Walser Code – Scenario for one player /»für polymediale Violinistin (2014), «metAtem» – interaktiver Klangbasar nach Dante Alighieri und Robert Walsers «Mikrogramme». «Musikalische Open-Air-Aktion für vier Performer», für selbstspielende Instrumente, Kontrabass, Lupophon und Elektronik, (Bern/Basel 2014), «Prāṇāhtron» für 20 Vokalsolisten, Kontrabass und Live-Elektronik (2015), «BASSBOXTRING - Klang-Performance» (2015), 2-Pol-Run für Flöte/Bassflöte, Stimme und Medien (2016), «ILINX» for bass-flute, contrabass, electronic media & creative mixing (2017), «PARTITURA – komponierte Performance zu 3D Klangwellen» (2018), «Natural Born Rebels – Comperformance in Bucharest Sound Gardens Festival» (2019), «MANIFESTO PLAYBOX» - music scenario for 2 creative pianists (2020). Gabryś ist auch Co-Autor einer Reihe von Videos, die auf Onlineplattformen veröffentlicht wurden, verzeichnet seine Solopräsenz auf vielen CDs, hat 2010 das Doppelalbum Bassolo. XXth &XXIst centruries' Conrabass Music, (DUX0800/0801) herausgegeben.
Die Werke von A. Gabryś erklangen u. a. bei Konzerten in der Schweiz und in Polen, in Österreich, in den Balkanländern und in der Türkei, in den USA und in Australien. Eine ganze Reihe davon wurde auf Platten-, Radio- und Videoaufnahmen verewigt.
Als Kontrabass-Solist spielt er regelmässig u.a. mit dem Klangforum Wien, Collegium Novum Zürich, oenm, den pre-art soloists und trat weltweit an Festivals in Paris, Madrid, Venice, Rome, Lisbon, Porto, Buenos Aires, Johannesburg, Ljubljana, Yerevan, Tbilisi, Sao Paulo und Montevideo auf.

Kaspar König:
Kaspar König ist Designer, Klang- und Performance-Künstler. Er wohnt und arbeitet in Zürich seit Mitte 2012. Als ehemaliger vertretender Prof. für Klangkunst und Komposition an der Hochschule für Musik in Mainz (D), als Lehrbeauftragter an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und als Gast-Lehrbeauftragter an der Leuphana Universität (D) verbindet er das Hörbare in der Umwelt mit Kunst, Nachhaltigkeit und Lebenslust.
Seit seinem Design-Abschluss an der UDK in Berlin 2002 ist er als freischaffender Gestalter, Komponist, Dozent, Erfinder und Klangkünstler tätig. Sein Hintergrund als diplomierter Designer ist in seinen erfundenen Instrumenten und Sound Installationen sicht- und hörbar. Im Masterstudiengang Klangkunstkomposition vertiefte er seine Kenntnisse und Fähigkeiten im Klang- und Performancebereich. Aktuell unterrichtet er an der ZHdK im Master Transdisziplinarität, mentoriert Klangprojekte in Interaction Design und forscht an der «biologisch abbaubaren Community-Maske» und ist seit Ende 2020 Mitglied des Digitalrats der ZHdK.
Sein Forschungsprojekt «Synestizer – Listen to colors - chromesthesia in a technical model», welches er seit Beginn (2012) an der HfM Mainz stetig weiterführt, ist mittlerweile eine Webapplikation, die bewegende Farbwerte in Klangfarben verwandelt.
Als Komponist und Klangerfinder wirkte Kaspar König bereits in zahlreichen Tanz-, Theater- und Film- Produktionen sowie Museumsausstellungen mit, zuletzt in der Videoperformance Surrender to CO2 für die Ausstellung DEAR2050 mit dem Thema: Human Responses to Climate Change. Im Bagno Populare entwickelte er die Unterwasserorgel Aerosoul, die den Wellengang im Thermalbad als Auslöser für die Orgel nutzt. Dazu entstand eine Performance aus einer Symbiose der Elemente Wasser und Wind. Seine eigenen Klangarbeiten und Prozessformate wie beispielsweise My City Is My Instrument fliessen auch in seine Tätigkeit als Dozent ein. In seiner eigenen künstlerischen Arbeit bewegt er sich in einem Spannungsfeld zwischen epistemischer Forschung und künstlerischem Prototyp, zwischen Laborprozessen und hochwertiger Poesie mit eigener Authentizität.
In Kaspar Königs Arbeiten fliessen verschiedenste Stilrichtungen und Ausdrucksformen ein
und er eignet sich dadurch auch Kompetenzen ausserhalb der Künste an. Durch die Pandemie wurde viel Arbeit virtuos digitalisiert, zum Beispiel im Workshop Deep Digital Listening, der das Prinzip von Paulina Oliveros` Deep listening in ein digitales Format transformiert, demnächst hörbar mit dem Hong Kong New Music Ensemble während des Symposiums Sonic Ecologies.

© A. Gabrys

© A. Gabrys

Alle Termine

Mi 20.04.22 20:00
ca. 60 Minuten
ohne Pause

Do 21.04.22 20:00
ca. 60 Minuten
ohne Pause

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