«Wie ich dir’s sage» – Eunoia Quintett

Das Eunoia Quintett wird 10 Jahre alt! Im Fokus des ersten Jubiläums-Konzertes steht Poesie und menschlicher Austausch – wir alle haben die Beschränkung der klaren, direkten Kommunikation und Kontaktaufnahme und unsere Sehnsucht nach ihr im letzten Jahr erlebt. Es geht um musikalische, zwischenmenschliche und räumliche Nähe und Distanz, um das Kollektiv und das Einzelne.
Das Eunoia Quintett erforscht den Klang und möchte die Zeitgenössische Musik greifbar und erlebbar machen und humorvoll gestalten. Mit ihren Konzerten erzählen sie Geschichten, die sie szenisch, dramaturgisch und literarisch umsetzen. Eine Nahaufnahme mit unterschiedlichen Fokuseinstellungen, Komprimierungen und Kreativität – als Resultat von Reibung, Abbildung, mikroskopischem Hinschauen und vor allem Hinhören.

Mit: Eunoia Quintett: Johanna Greulich (Sopran), Ellen Fallowfield (Cello), Stephen Menotti (Posaune), Clemens Hund-Göschel (Klavier), Louisa Marxen (Schlagzeug)

Programm: Abril Padilla (*1970): ‹Zwischenräume› (2012); Santiago Diez-Fischer (*1976): Neues Werk (UA); Jonathan Granzow (*1987): ‹Wie ich dir's sage› (2013); Chikako Morishita (*1981): ‹Etude 5› (2019); Alvin Lucier (*1931): ‹Performing Emily› (2017); Daniel Riegler (*1977): ‹Artifical art›

Eunoia Quintett © Anita Mieze

Eunoia Quintett © Anita Mieze

Chikako Morishita (*1981) «Etude 5» (2019)

«The main actor in the total installation, the main centre toward which everything is addressed, for which everything is intended, is the viewer.» (Ilya Kabakov)
Etude can be regarded as a sort of installation art that experiments with the transformation of the listener’s perception of a space.

Auftragswerk des Eunoia Quintett.

Chikako Morishita geboren in Kanazawa, Japan. Sie erwarb einen Bachelor und MA in Komposition an der Tokyo Uni- versity of Arts sowie einen MA und PhD an der University of Huddersfield im Vereinigten König- reich. Sie arbeitete mit zahlreichen Ensembles wie u. a. dem Ensemble Lemniscate, Ensemble Ascolta, ICARUS ensemble, OKEANOS ensemble, dem Duo TwoNew und dem Molinari/Fussenegger duo ebenso zusammen wie mit der Tokyo Geidai Philharmonia und dem Vanemuise Symphony Orchestra. Für namhafte Solistinnen und Solisten wie Sarah Saviet, Juna Winston, Heather Roche und Jeffrey Gavett hat sie außerdem Solostücke verfasst. Ihre Arbeiten wurden bei vielen Festivals u. a. in Japan, Australien, Israel, Singapur und vielen Ländern Europas aufgeführt. Etliche ihrer Werke wurden bei Huddersfield Contemporary Records aufgenommen. Ihr Bassklarinetten- Solo «Skin, Gelatine, Soot», welches sie für Carl Rosman schrieb, erschien 2016 auf dessen neuer Solo-CD. Chikako Morishita lebt und arbeitet in Berlin.

Jonathan Granzow (*1987) «Wie ich dir's sage» (2013)

Mich berührte, wie Else Lasker-Schüler in ihrem Gedicht „Dir“ die Worte so zögerlich hervorbringen lässt, sodass von einem Geständnis nur ein heimliches Eingeständnis bleibt, von der Absicht beseelt, des Anderen Heil zu bewahren und in dem Wunsch, es mögen sich Stimmen finden, die Botschaft zu überbringen.

Auftragswerk des Eunoia Quintetts.

Jonathan Granzow, geboren 1987 in Bielefeld, studierte Schulmusik und Deutsch sowie Master of Music Komposition bei Prof. Müller-Hornbach und Prof. Klötzke an der HfMDK Frankfurt/Main. Seither ist er freiberuflich tätig, als Musikpädagoge, Komponist, Arrangeur und Dirigent. Von 2015 bis 2019 leitete er die Rheingauer Film-Symphoniker.
2017 hatte er die musikalische Leitung der Schauspielproduktion Wie im Himmel der Burgfestspiele Bad Vilbel inne. In 2018 übernahm Granzow die musikalische Leitung und Komposition der Bühnenmusik zur Produktion Wann gehen die wieder? an der Landesbühne Niedersachsen Nord. 2019 produzierte er die Bühnenmusik zur Schauspielproduktion Shakespeare in Love bei den Burgfestspielen Bad Vilbel.
Von 2015 bis 2019 war Granzow zunächst Lehrbeauftragter für Schulpraktisches Klavierspiel und ist nun wissenschaftlicher Mitarbeiter der Musikpädagogik an der HfM Mainz. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Kompositionsdidaktik.
Seit 2018 überdies Lehrbeauftragter für Musiktheorie und Elementare Komposition an der Wiesbadener Musikakademie.
Sein kompositorisches Schaffen wurde zuletzt gefördert von der Mozart-Stiftung von 1838 zu Frankfurt/Main.

Alvin Lucier (*1931) «Performing Emily» (2017)

«The idea for Performing Emily was taken from Jon Barlow’s class at Wesleyan University by the same name. Barlow imagined that the dashes that followed many of the lines of Dickinson’s poems-she used no other form of punctuation-as neumes, a note or group of notes to be sung to a single syllable in a type of early plainchant notation used before the invention of the 5-line staff.»

Alvin Lucier wurde 1931 in Nashua, New Hampshire geboren. Er wurde an der öffentlichen und kirchlichen Schule von Nashua, der Portsmouth Abbey School, der Yale University und der Brandeis University ausgebildet und verbrachte zwei Jahre mit einem Fulbright-Stipendium in Rom. Von 1962 bis 1970 unterrichtete er an der Brandeis University, wo er den Kammerchor der Brandeis University leitete, der einen Großteil seiner Arbeit der Aufführung neuer Musik widmete. Im Jahr 1966 gründete er zusammen mit Robert Ashley, David Behrman und Gordon Mumma die »Sonic Arts Union«. Von 1968 bis 2011 unterrichtete er an der Wesleyan University, wo er der John Spencer Camp Professor für Musik war.
Das Unhörbare hörbar machen, das Hörbare sichtbar oder räumlich erfahrbar machen: Zu Luciers vielen Innovationen gehört ‹Music for Solo Performer› (1965), das erste performative Kunstwerk, das Gehirnwellenverstärkung einsetzt und die Sonifikation von Alphawellen durch eine Reihe von Schlaginstrumenten verdrängt.
Alvin Lucier wurde von der Society for Electro-Acoustic Music in den Vereinigten Staaten mit dem Lifetime Achievement Award ausgezeichnet, erhielt die Ehrendoktorwürde für Kunst der Universität von Plymouth, England und war 2018 Gala-Preisträger im ISSUE Project Room für außergewöhnliche Führungsqualitäten und Engagement zugunsten der Gemeinschaft der experimentellen Künste. Im November 2011 feierte die Wesleyan University den Ruhestand von Alvin Lucier mit einem dreitägigen Festival seiner Werke.

Daniel Riegler (*1977) «Artifical art» (2016)

Tatsächlich ging es mir beim Entwickeln dieses Duos um die Vorstellung von einem musikantischen Gestus, obwohl der hyperkomplexe Notentext natürlich ganz anderes nahelegt. Durch das quasi durchgehende ‹Unisono› der Stimmen soll sich so etwas wie ein gemeinsames Singen und ein miteinander Phrasieren einstellen. Auch die in den Spielanweisungen gemachte Aufforderung zur persönlichen Adaption des Materials soll das verdeutlichen. Aus dieser engen Verbindung soll das gelegentliche solistische Heraustreten oder auch die kollektive Improvisation ganz organisch geschehen können. Alles in allem ist die ‹Verkünstlichung› einer oft erprobten musikalischen Praxis – wie im Jazz oder vielen traditionellen Musiken, womit das Wortspiel des Titels zu erklären ist.

Daniel Riegler arbeitet als freischaffender Interpret, Komponist, Ensembleleiter und Produzent von improvisierter, zeitgenössischer und jazzverwandter Musik. Als Posaunist spielt er regelmäßig mit dem Klangforum Wien, als Komponist und Ensembleleiter erhielt er Aufträge von namhaften Ensembles und Institutionen (21er Haus Wien, ensemble für neue musik zürich, NDR Bigband, Jazzfestival Saalfelden…).
Er ist Mitbegründer der JazzWerkstatt Wien und künstlerischer Leiter des von ihm gegründeten Kammerensembles Studio Dan. Er erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen (Staatsstipendium für Komposition 2015, Preis der deutschen Schallplattenkritik/Bestenliste 02/2010,…)
Weiters arbeitet(e) er u.a. mit Elliott Sharp, Vinko Globokar, Michel Doneda, Friedrich Cerha und dem Ensemble ‹die reihe›.

Santiago Diez-Fischer (*1976) «birds for a while» (2021, UA)

I like the concept of Eunoia and I like that it shares with ‹oiseaux› the use of all vowels. We use vowels to make our voice sound (even when there are consonants that sound too, vowels release the sound).
This work is based on the idea that the musicians can be, for a moment, a bird. An imaginary and complex bird that speaks to us through its sounds.
Dem Eunoia Quintet gewidmet

Santiago Diez-Fischers Musik basiert auf der Suche nach einem organischen Klang, der die akustischen Klänge von Instrumenten und verschiedenen Objekten mit einer sehr persönlichen Art der Verwendung von Elektronik verbindet: eine ‹taktile› Musik, die den Zuhörer einlädt, die Skulptur seiner Musik zu erkunden.
Seine Musik wurde von verschiedenen Ensembles wie Ensemble Dal Niente, Ensemble Distractfold, Eunia Ensemble, Ensemble Sur Plus, KNM Ensemble, Ensemble Soundinitiative, Vortex, Le balcon, TM+, BIT20, CAIRN, L'imaginaire und anderen aufgeführt.
Díez Fischer ist Professor für Komposition am Konservatorium von Pantin in Paris. 5 Jahre lang war er Assistenzprofessor in der Kompositionsklasse an der Haute Ecole de Musique in Genf, Schweiz. Er studierte in Argentinien, Deutschland und Frankreich bei Philippe Leroux und Rebecca Saunders.
Santiago Díez Fischer wurde in Argentinien geboren und besitzt die deutsche und argentinische Staatsbürgerschaft. Seit 2009 lebt er in Frankreich.

Abril Padilla (*1970) «Zwischenräume» (2012)

Das Ensemble Eunoia initierte 2012 das Konzertprogramm «Carte Postale», dessen Idee darin lag, Kommunikation zwischen Interpreten, Komponisten und dem Publikum in einer weit greifenden und zugleich sehr persönlichen Form zu fördern. Die Postkarte war Symbol für eine konzentrierte, zugleich persönliche und poetische Übermittlung von Gedanken und Ideen. Mittels Postkarten wurden Gedanken ausgetauscht, gezeichnet, geformt, verworfen, verfeinert und weiterentwickelt – exportiert und importiert. Gedanken, Bilder, Texte gewannen so an Form und wurden zu Musik.
Zwischenräume war eines der Auftragswerke des Eunoia Quintetts für dieses Programm.

Abril Padilla ist Komponistin, Klangkünstlerin und Performerin und lebt seit 2006 in der Schweiz. Sowohl in der elektroakustischen als auch in der instrumentalen Komposition beschäftigt sich ihre Arbeit mit Fragen nach der Verbindung zwischen dem geschaffenen Objekt und seiner Rezeption.
Vom Konzert ‹mit Kopfhörern› bis zum Bau eines riesigen Instruments, in dem sich das Publikum befindet (Resonanzkasten), ist jede Gelegenheit ein Werk zu schaffen auch eine Suche nach der Verbindung, die jedes Mal neu und spezifisch für einen Raum ist.

Alle Termine

So 28.11.21 18:00
ca. 60 Minuten
ohne Pause

Ermässigungen Abendkasse
0.– Refugees

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