«Wellewirrlewirbelecheck» – Musik und Texte von Alfred Wälchli

Vor fünfzehn Jahren ist der Zofinger Komponist und Dichter Alfred Wälchli gestorben. Er hauste und arbeitete zeitlebens in der Dachkammer seines Elternhauses an der Grabenstrasse über der Arztpraxis seines Bruders. Dort entstand unaufgeregt, aber mit stetigem innerem Drang, ein Werk, das zum Eigenständigsten gezählt werden darf, was die Schweizer Kunstszene kennt.
Wälchlis Werk fehlt jede Form von Klischee und dadurch ist es von einer entwaffnenden Ehrlichkeit. Pathos und Witz, Grobianismus und höchste Differenzierung, Gelächter und Nöte treffen lebensnah aufeinander. Seine Arbeit ist archaisch, und was er schrieb steht erratisch und sperrig in der Kunst-Landschaft. Eine Landschaft aus Geröll, Wasser und finsterem Wald.
Wer sich dem mäandernden Fluss von Alfred Wälchlis Musik hingibt, verliert vorerst die Orientierung: keine rettenden Ufer in Sicht und keine gliedernden Progressionen; eine rastlose und entgrenzte Musik, wie Geröll im Hochgebirge, chaotische pulsierende Überlagerungen und doch so selbstverständlich, weil der Natur abgelauscht und immer schon dagewesen. Seine Sprache hingegen, will gehört und nicht gelesen werden. Sie orientiert sich an Rhythmen, Onomatopoesien sowie zum Schmunzeln anregenden Helvetismen und basiert, wie seine Musik oft auch, auf Zahlenrelationen.
In einem Forschungsprojekt der Hochschule für Musik FHNW unter der Leitung von Christoph Moor diente Wälchlis Komposition «Die Ballata des Oscen» (1985) für Gitarre Solo als Fallbeispiel für die Erörterung der Frage, wie mit musikalischen Werken umgegangen werden kann, deren Notation kaum Hinweise zu aufführungspraktisch relevanten Dimensionen (Tempo, Dynamik, Agogik, Artikulation etc.) beinhalten. Wälchli notierte lediglich Tonhöhe und Tondauer und überlässt damit die Ausarbeitung aller andern Interpretations-Parameter den Ausführenden. Die subjektiven Entscheidungen, welche die vermeintliche Freiheit dieser Notation von den Musikerinnen und Musikern fordert, manifestieren sich in einer diskursiv erarbeiteten Edition der «Ballata». Mit Stephan Schmidt konnte einer der prägendsten Gitarristen unserer Zeit für das herausfordernde Projekt gewonnen werden. Um die «Ballata» in einem erweiterten Kontext zu präsentieren, stehen nebst musikalischen und literarischen Darbietungen auch eine Einführung in Wälchlis Arbeitstechnik, Filmmaterial sowie eine Diskussionsrunde mit den Interpretierenden auf dem Programm. Zwei Tage vor der Veranstaltung kann das Publikum zur Einstimmung an einer Wanderung durch Wälchlis Inspirations- und Kraftort, der Teufelsschlucht, teilnehmen.

Mit: Stephan Schmidt (Gitarre), Martina Kalt (Viola), Kirill Zwegintsow (Klavier), Miriam Japp (Lesung), Johannes Raiser (Referat), Michael Kunkel (Moderation), Christoph Moor (Konzept)

Die Wanderung durch die Teufelsschlucht findet am Montag 21. Januar 2019 statt.
Treffpunkt: Bahnhof Hägendorf (Uhrzeit wird noch bekannt gegeben)
Dauer: ca. 2 Stunden
Anmeldungen an: anja.wernicke@fhnw.ch

Alle Termine

Mi 23.01.19 20:00
ca. 90 Minuten
ohne Pause

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Preise
30.– Vollpreis
20.– AHV/IV/Stud.
15.– Colourkey/Kulturlegi

Ermässigungen Abendkasse
5.– Stud. Musikwiss. Uni Basel + HfM FHNW
0.– Refugees

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